Ein ernstes Thema: Burn out

Ja, auch mich hat es schon einmal erwischt, das war im Jahr 2013 oder 2014. Zu der Zeit stand ich noch im Berufsleben, mein Mann war seit 2011 krank, was eine enorme Belastung für uns war. Und meine Mutter, zu dieser Zeit 87 Jahre liess immer mehr nach. Ich kam auf den Gedanken, für sie eine kleinere Wohnung in unserer Nähe zu finden, und wie der Zufall es wollte war 2 Häuser neben uns eine kleine 45 qm Wohnung frei. Ich würde nur über den Hof müssen. Lange Rede kurzer Sinn, es klappte und sie bekam die Wohnung. Und es folgte Umzug Nr. 1, 70 qm mit 50 Jahren Erinnerung mussten aussortiert, teils entsorgt und in Kisten verpackt werden. Gleichzeit die neue Wohnung streichen lassen, ein paar Möbel aussuchen, usw. dabei weiter arbeiten und den eigenen Haushalt.

Es hat alles geklappt, und Mama fühlte sich auch wohl in der kleinen Wohnung, klar war es was ganz anderes,aber mich gleich nebenan zu haben, entschädigte wohl. Gut ging das alles ca. 4 Monate, dann fiel sie in der Wohnung, brach sich den Arm, konnte dadurch das bisschen was bisher noch ging auch  nicht mehr.

Was nun?

Der Gedanke an ein Seniorenheim rückte näher, nachdem sie für 4 Wochen in der Kurzzeitpflege war, also in der Zeit wo der Arm in Gips war. Und ich war unterwegs, zur Mundus Seniorenresidenz in Rüttenscheid, und der am Stadtwaldplatz und dann in der Nova Vita, wo auch meine Patentante die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte.

Das hört sich alles so einfach an, aber die vielen Fragen die abgearbeitet werden mussten, in jeder Residenz aufs neue waren schon zeitraubend. Letztendlich wurde es die wo auch meine Tante schon ihrem Lebensabend verbrachte. Was bedeutete, den nächsten Umzug in Angriff nehmen.

Und ich funktionierte immer noch. Alles wieder packen, vieles entsorgen, verschenken usw. Das meiste an Handtüchern, Bettwäsche usw. ging an ein Sozialkaufhaus, die Dielenmöbel, 4 Wochen alt, auch. In der einen Wohnung alles packen und entscheiden was geht mit und was geht weg, blieb alles an mir hängen. Gleichzeitig musste geschaut werden, das in dem Appartement im Seniorenheim alles passte. Wir, ohne Auto, alles mit Taxi, war eine Riesenrumfahrerei.

Irgendwann war es geschafft, die Möbel waren im Appartment, bestmöglich untergebracht, viele Sachen auf kleinem Raum. Was fehlte war ein Kleiderschrank, Lieferzeit 8 Wochen, also Kartons und ein Rollkleiderständer.

Bis nachts um 12 hab ich geräumt und gemacht und am nächsten Tag hab ich dann Mum in der Residenz wo sie zur Kurzzeitpfege war, abgeholt und in ihr neues Zuhause gebracht.

Es gefiel ihr, einigermaßen. Warum steht das Bett da? Ich hätte es gerne an der anderen Wand. Warum kann der Sessel nicht dahin?Dann kann ich aus dem Fenster schauen.  Muss ich jetzt etwa aus dem Karton leben? So ging es einige ganze Zeit.

Nach ein paar Sachen umstellen und umräumen passte es irgendwann.

Etwas über ein Jahr blieb sie dort, dann kam sie auch da nicht mehr alleine zurecht. Schellte andauernd wegen nichts, nur jedes nichts wurde notiert und kostete Geld. Es wurde immer mehr Hilfe notwendig, sodaß der nächste  Umzug anstand, von der dritten in die erste Etage, auf die Pflegestation. Wieder verkleinern wieder von Sachen trennen, wieder so oft die Frage wo ist denn das und das? Weg, war es weil kein Platz mehr war, aber welche 88 jährige Frau die nur noch von Erinnerungen lebte, versteht das? Ich  musste mir einiges anhören. Auf der Pflegstation war sie dann noch 5 Monate, dann kam der allerletzte Umzug, bei dem ich nichts mehr tun musste…..:-( ausser das Zimmer der Pflegestation innerhalb von 2 Tagen leer geräumt zu haben. Gar kein Problem, wenn man trauert , die Beisetzung organisieren muss und zusätzlich noch dafür Sorgen soll das alle persönlichen Sachen und Möbel raus kommen, oder aber man noch einen ganzen Monat zahlen muss. Und wer schon mal jemandem im Pflegeheim hatte weiss wie teuer das ist. Also wurde es in Angriff genommen und nur durch die Mithilfe meines Cousins und seiner Frau haben wir es geschafft.

Und dann irgendwann kam der Zusammenbruch, an einem ganz normalen Tag, in einer eigentlich fast normalen Situation, im Büro bei der Arbeit durch einen Satz einer Kollegin.

Ich heulte los und heulte und heulte und brach regelrecht zusammen, wurde heimgeschickt, war erst bei meiner Hausärztin, danach bei einer Neurologin, die nach meiner Schilderung ein Burn Out diagnostizierte und mich erst mal einige Zeit aus dem Verkehr zog, also krankschrieb und da ich ihr sagte das für mich eine Gesprächstherapie nicht infrage käme da es meiner persönliche Meinung ist, das durch reden nichts gelöst wird und ausserdem das Ganze wieder Zeit wäre, die ich nicht dafür hergeben wollte schlug sie mir vor es mit Tabletten, sprich Antidepressiva zu versuchen. Das habe ich dann getan und begann mit 10 mg und ja ich brauchte dann stärkere, bei 30 mg merkte ich wie ich langsam wieder zur Ruhe kam.

Die Tabletten nahm ich lange, schlich sie irgendwann wieder aus, leider nur für ein knappes Jahr dann erforderten es die Lebensumstände das ich wieder damit beginnen musste. Diese verdammten Dinger machen abhängig, ja aber man fühlt sich besser und es ist nicht ganz so schwer vieles zu ertragen und deshalb nehme ich sie auch weiter.

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kerstin sagt:

    In Gedanken bei Dir 🤗

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  2. Ganz viel Kraft von mir, ich hoffe sehr, Du findest einen Weg wieder zurück zu Dir! Mit kamen Deine Worte sehr bekannt vor, und es ist erschreckend, wie diese Krankheit unsere heutige Gesellschaft lähmt. Alles Liebe, Sovely

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