Es war einmal ein Weihnachtsgeschenk 2010

Bei den Weihnachtseinkäufen 2010 entdeckte ich in einem Buchladen das Buch: Mama, erzähl doch mal. Ich blätterte es so durch und wusste sofort, das musst du kaufen. Darin sollte dann derjenige der es geschenkt bekommt, in diesem Falle meine Mama, Seite für Seite ausfüllen, damit das Kind, also in diesem Falle ich, später mal eine ganz persönliche Erinnerung hat. Ein Teil der Fragen stehen hinten auf dem Buch, anzusehen unter der folgenden Verknüpfung:

https://dorosgedankenduene.wordpress.com/2010/12/13/pssssst-weihnachtsgeschenk-fur-mama/

Es kam damals gut an, allerdings in den folgenden Jahren bis zu ihrem Tod 2015 habe ich bestimmt 20x nachgefragt und immer wieder zu hören bekommen: ja, ich mach das noch, ich fang damit die Tage an. Irgendwann einmal kam ich, da lag das Buch auf dem Tisch, daneben ein Kugelschreiber, Tesafilm und eine Schere. Ich sagte gar nichts dazu, sondern hoffte einfach nur, daß sie endlich angefangen und auch etwas geschrieben hatte.

Die Zeit verging und es kam der Oktober 2015, der Monat in dem meine Mama von all ihren Schmerzen und Beschwerden erlöst wurde und meinem Vater endlich folgen durfte, was immer ihr größter Wunsch war, aber 11 lange Jahre dauerte.

Bevor ich an diesem Tag, dem Tag als sie für immer die Augen schloss, nahm ich dieses Buch aus der Schublade, da es mir so unheimlich wichtig war, in der Hoffnung, daß sie wirklich etwas hinein geschrieben hatte.

An diesem Tag abends, als ein wenig Ruhe eingekehrt war,  nahm ich mir dann das Buch und schlug es auf. Es klappte genau in der Mitte auf, eine Doppelseite, vollgeschrieben in ihrer Handschrift, wackelig, schlecht lesbar, auch durchgestrichen, aber es war ihre Handschrift. Das, was ich dann gelesen habe, war das Persönlichste und Allerschönste was mir je geschrieben wurde, und sie wusste ja, als sie es schrieb, daß ich es erst zu lesen bekomme, wenn sie ihre letzte Reise angetreten hat.  Alleine für diese beiden Seiten hat es sich gelohnt das Buch zu verschenken und darauf zu hoffen, daß Mama etwas reinschreibt.

Ich bin so übermäßig froh und extremst dankbar für diese Worte, die ich seither ganz fest in meinem Herzen trage.

Ein paar Fragen hat sie auch noch beantwortet, teilweise war es sehr schwer für mich zu lesen, da sie doch schon sehr zitterig war. Aber es sind Erinnerungen und Erinnerungen sind immer was wunderschönes.

Das Buch steht im Regal, zusammen mit einem Fotobuch was ich mir habe machen lassen, wo nur Bilder aus den letzten Jahren drin sind und den Abschluss dieses Fotobuches bilden Bilden von Grab und auf der letzten seite eben diese geschriebenen Seiten von ihr.

 

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Beim Lesen dieses Artikels muss ich mir ein Tränchen verkneifen (was würde ich darum geben, solch ein Buch von meiner Mutter zu haben). Wie schön, dass Deine Mama dort etwas hinein geschrieben hat.
    Ich habe ein ähnliches Buch hier liegen, habe es vor Jahren mal gekauft, um es irgendwann einmal meiner Tochter zu schenken, aber es fällt mir sehr schwer es voll zu schreiben und so schiebe ich es seit Jahren vor mir her…..irgendwann mal, wenn ich alt bin, will ich es mit Worten füllen…..
    LG Susanne

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