Gedanken und Abbitte leisten

Gedanken, die mir in den letzten Wochen oft durch den Kopf gehen sind diejenigen, daß ich nach da oben, in den Himmel zu meine Mum, Abbitte leisten muss. Wie oft habe ich mit ihr zu Lebzeiten, jedenfalls die letzten paar Jahre, gemeckert, wenn ich zu ihr kam und fand sie wie so oft schlafend im Sessel vor, immer und immer wieder. Manchmal versuchte ich sie anzurufen oder schrieb eine SMS, es kam nichts, und wenn du eine Mum hast die sehr alt und krank und gebrechlich ist, dann machst du dir gleich Gedanken und stellst dir das schlimmste vor. Sogar zum Schluss im Heim, wie oft habe ich dann die Pflege dort angerufen: Können Sie mal nachsehen, ich erreiche meine Mutter nicht. Antwort: Die sitzt im Sessel und schläft tief und fest.

Nun bin ich über 60, lebe mit tagtäglichen starken Schmerzen, bekomme dementsprechende Medikamente (Opioide) und schlafe, immer wieder und öfter mal. Ich bekomme keinen Abend mehr eine ganz Fernsehsendung mit, ich kann mit nachmittags hinlegen und schlafe 1-2 Stunden, ich stehe morgens um 5 oder um den Dreh rum auf und schlafe eine halbe Stunde später auf dem Sofa wieder ein, im Sitzen im Liegen…………………… und denke so oft an Mama dabei. Wie oft ich zu ihr gesagt habe: So viel kann man doch gar nicht schlafen, kaum bist du ein paar Minuten alleine, schläfst du usw. Ja Mama, ich versteh dich und ich leiste Abbitte bei dir, und obwohl ich fast 30 Jahre jünger bin geht es mir nun genauso.

Und noch eins, ich hab dich immer ein bisschen gehänselt, weil du immer sehr propper warst und deine Kilos auf der Waage um die 90 Kilo schwankten. Wie oft hab ich zu dir gesagt: Ich? über 70 kg? Nie!!!!!! Nun ja, dann habe ich aufgehört zu rauchen, was mit um die 8 kg mehr beschert hat und ein paar Jahre später wo ich schon längst die 70 kg Schallmauer durchbrochen hatte und mein Spruch dann natürlich war: Aber über 80 kg komme ich nie im Leben! Und es kam dann das was jede Frau mitmacht, manche mehr und manche weniger, die Wechseljahre oder der Extrasommer der Frau.

Tja, liebe Mama, auch wenn du das nie lesen wirst, ich sehe dein Lächeln wenn ich dir jetzt sage, alles dummes Gequatsche was ich da immer von mir gegeben habe, ich habe schon vor einiger Zeit die 90er Schallmauer durchbrochen, und jetzt darfst du nicht nur lächeln, sondern mal herzhaft über mich lachen, über mich und meine ach sooooo große Klappe.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kerstin sagt:

    Um Dich ein bisschen aufzumuntern, würde ich jetzt mal so weit gehen, zu behaupten, dass Mütter ziemlich genau wissen, wie sie Sprüche aller Art ihres Nachwuchses zu nehmen haben. Nur für diesen erfolgt die Erkenntnis meist erst dann, wenn es keine Möglichkeit mehr gibt, diese von Angesicht zu Angesicht zu klären. Doch was uns als Kinder dabei im Grunde am meisten zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass wir uns weniger nach der Aussprache, sondern vielmehr danach sehnen, dass unsere Mutter uns in ihre Arme nimmt und uns damit sagt: Alles ist gut.
    Liebe Grüße, Kerstin

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  2. Irgendwann kommt die Zeit, wo man sich immer mehr in die eigene Mutter hineinversetzen kann….

    Habe neulich im Internet einen Spruch gelesen, der aussagt, dass eine Mutter immer an die Kinder denkt – egal wie alt sie sind und dass die eigenen Kinder dies erst dann verstehen, wenn sie später selber einmal Kinder haben.

    Genauso ist es, als junger Mensch war ich z.B. oft genervt, wenn meine Mutter bei jeder Autofahrt zu mir sagte, dass ich vorsichtig fahren solle….. und heute…..da sage ich genau die gleichen Worte zu meiner Tochter, die die Augen verdreht 😉

    Das ist wohl der Kreislauf des Lebens, vieles versteht man erst später.

    LG Susanne

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